Edelmetalle ausgebremst – Rezessionswarnungen - Zinsen steigen

Die Edelmetalle Gold, Silber und Platin Anfang vergangener Woche kräftig an. Der Goldpreis konnte in US Dollar sowie in Euro wichtige Unterstützungsmarken zurückerobern, was ein bullisches Signal lieferte. Der Kurssprung in beiden Währungen wurde an dem letzten Widerstand bei 1.208$ bzw. 1.045€ ausgebremst. Fallen diese letzten beiden Hindernisse, so dürfte es zu weiteren Eindeckungen der Bären kommen, wobei der Goldpreis infolge dessen bis auf 1.280$ ansteigen könnte. Dann wird auch der Platinpreis, der aktuell am Widerstand bei 840$ notiert, ausbrechen und bis 900$ ansteigen. Silber konnte bis auf 14,90$ in der Spitze ansteigen, was fast einen US Dollar höher ist als das Tief des Vormonats. Seit der zweiten Wochenhälfte kam es jedoch wieder zu einem Rücksetzer im Umfeld eines leicht stärkeren US Dollars sowie aufgrund guter US Wirtschaftsdaten und hawkischen Äußerungen der US Notenbank, die auf eine Fortsetzung der restriktiven Geldpolitik hindeuten.

Dass der Goldpreis den nächsten Widerstand bei 1.215$ nicht nehmen konnte, nachdem sich der Abtaucher unter die 1.190$ als falscher Ausbruch herausstellte im Umfeld historisch guter Terminmarktdaten, ist äußerst außergewöhnlich. Seit sieben Wochen hängt der Goldpreis in einer extrem engen Handelsspanne von 20$ fest, obwohl der steile Abwärtstrend längst gebrochen wurde. Entweder sehen wir die ersten Auswirkungen einer beginnenden Rezession auf den Goldpreis oder es gab starke manipulative Verkäufe am physischen Markt.

Die Verkäufe von Gold- und Silbermünzen der australischen Perth Mint waren im September so hoch wie seit Januar 2017 nicht mehr. Die Verkäufe an Silbermünzen hatten sich aufgrund des aktuell extrem günstigen Preises im Vergleich zum August sogar verdoppelt. Die Verkäufe von Goldmünzen und -barren stiegen zum Vormonat um 61% auf 62.552 Unzen.

Anleihen brechen ein – Zinsen steigen

Die Renditen der zehnjährigen US-Staatsanleihen stiegen in den letzten Handelstagen deutlich an und überwanden die für die Märkte wichtige Hürde von 3%. Eine starke US- Wirtschaft, eine hohe Inflationsrate in den USA von 2,95%, acht Zinsanhebungen sowie Anleihenverkäufe seitens der US Notenbank im Volumen von mittlerweile 285 Mrd. USD sind für den Anstieg der Marktzinsen verantwortlich. Jerome Paul, Chef der US Notenbank, zeigte sich optimistisch für die weitere Wirtschaftsentwicklung und signalisierte weitere Zinsschritte in den kommenden Jahren. Vom Markt wird ein weiterer Zinsschritt im Dezember erwartet und drei weitere in 2019, was dem Dollar weiteren Aufwind im Vergleich zum Euro geben wird.

Anleihenverkäufe der US-Notenbank sorgen für steigende Zinsen

Steigende Zinsen werden den US Aktienmarkt mittelfristig unter Druck bringen, da einerseits höhere Refinanzierungskosten die Unternehmensgewinne schmälern werden und andererseits das erhöhte Angebot am Anleihenmarkt bei höheren Renditen ein attraktives Konkurrenzinvestment zum Aktienmarkt darstellt. Die steigenden Zinsen bereiten mittlerweile einem guten Teil der Ökonomen Sorgen, denn 56% erwarten nach einer Umfrage bis spätestens Ende 2020 eine Rezession, wogegen nur 10% bereits im nächsten Jahr damit rechnen. Seit fast zehn Jahren befinden sich die westlichen Volkswirtschaften in einem von den Notenbanken durch das Ausweiten der Geldmenge künstlich erzeugten Konjunkturaufschwung, der jetzt mit der Verringerung der Geldmenge und steigenden Zinsen vor dem Zusammenbruch steht.

Die steigenden Zinsen werden ein Problem für die Aktien- und Anleihemärkte

IWF und Schiller warnen vor einer zweiten großen Depression

Der bekannte Wirtschaftsprofessor und Nobelpreisträger Robert Schiller fürchtet eine Wiederholung der großen Crashs am Aktienmarkt von 1929 und der darauf gefolgten Weltwirtschaftskrise. Seit dem Crash Tief von 2008 stieg der breite amerikanische S&P 500 Aktienindex ohne Pause um 334% an, was in etwa der Ausweitung der Geldbasis in den USA entspricht. Schiller sagte: „Die goldenen 20er Jahre endeten in einem Spekulationsgelage. … Damals erschien es jedem als eine Art Glückspiel. Heute haben wir nicht die gleichen Umstände, doch nach den starken Anstiegen seit 2009 ist etwas von dem damaligen Geist auch heute vorhanden.“ Schiller glaubt, dass nicht nur der Aktienmarkt, sondern die gesamte US Wirtschaft von Spekulation getragen wird, doch kommt früher oder später das Ende dieser Aufregung und dann beginnen die Märkte zu fallen und die Wirtschaft einzubrechen.

Der aktuelle Bullenmarkt im Vergleich zu den großen Crashs der letzten 100 Jahre (Quelle: zerohedge)

Der Aktien- sowie der Anleihenmarkt wurden durch niedrige Zinsen und QE-Gelddruckprogramme der Notenbanken befeuert. Steigen die Zinsen weiter, werden beiden Märkte gleichzeitig crashen und die Investoren könnten in den sicheren Hafen der Edelmetalle flüchten. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) hat nun in seinem jährlichen Wirtschaftsausblick gewarnt, dass es viele Herausforderung für die Weltwirtschaft gibt, „um eine zweite große Depression zu verhindern.“ Die Chefin des IWF, Christine Lagarde, zeigte sich über die Ausweitung der globalen Verschuldung besorgt, die für den privaten und öffentlichen Sektor seit der Finanzkrise vor 10 Jahren um 60% auf ein Allzeithoch von 182 Billionen Dollar angestiegen ist.

Der Euro fiel in dieser Woche wieder weiter bis auf 1,145$, was eine logische Folge der lockeren Geldpolitik seitens der EZB ist und der aufziehenden Probleme in der Eurozone. Die Inflation in der Türkei liegt bei 25% und die dortige Notenbank hat die Zinsen in Reaktion darauf um 6,25% auf 24% angehoben. Die Schwellenländer rutschen in die Rezession ab und die Renditen italienischer Staatsanleihen haben unlängst begonnen zu steigen, obwohl Italien immer noch Teil der EU und des Währungsraums ist. Italien ist mit 130% des BIPs verschuldet, was es so noch nie in einem Land gab, das nicht die Kontrolle über die eigene Währung hatte. Während deutsche Staatsanleihen bei 0,5% notieren, liegen die italienischen Zehnjährigen bei bereits 3,4%. In diesem Umfeld steht die Europäische Zentralbank weiterhin Gewehr bei Fuß um jederzeit die Geldschleusen wieder zu öffnen.

Korrupter Gerichtshof: Staatsfinanzierung der EZB ist legal

Die Markteingriffe und die indirekte Staatsfinanzierung der EZB wurden vergangene Woche vom Europäischen Gerichtshof legalisiert. Der Generalanwalt des EuGH hat keine Einwände gegen die Anleihekäufe der EZB, was Draghi hilft und das Vertrauen in europäisches Recht erodiert. Richter der Regierung werden selbstverständlich immer zugunsten der Regierung urteilen und dazu Recht beugen oder brechen. Dies Staatsfinanzierung ist verboten und wurde bei der Euroeinführung kategorisch ausgeschlossen, doch müssen sich Regierungen nicht an ihre eigenen Gesetze halten. Geklagt hatten die Euro-Kritiker Bernd Lucke und Hans-Olaf Henkel, sowie Peter Gauweiler und weitere Ökonomen zu der Frage, ob der Kauf von Staatsanleihen über den Sekundärmarkt eine Staatsfinanzierung darstelle. Die EZB umgeht das Verbot der direkten Staatsfinanzierung, indem sie die Staatsanleihen von Banken am Sekundärmarkt kauft. Diese Banken haben diese zum Teil nur für Sekunden in ihre Bücher aufgenommen, um diese mit Gewinn weiter an die EZB zu verkaufen. Mit Recht, Vernunft und klarem Menschenverstand hat dies natürlich nichts mehr zu tun, sondern es handelt sich dabei nur noch um das korrupte Beugen von Recht zum Wohle des politischen linken Europas. Das Vertrauen in die EU wird dadurch langfristig jedoch zerstört und dass solche Wege nicht nachhaltig sein können und nicht zu Vertrauen, Wachstum und Wohlstand führen werden, dürfte jedermann mit wachem Geiste klar sein. Edelmetalle bleiben der einzige Schutz vor dem Niedergang Europas und des Euros in den nächsten zehn Jahren.

US-Sanktionen gegen Iran bewegen den Ölpreis

Der Rohölpreis hatte vergangene Woche, mit 77$ für die Sorte WTI bzw. 87$ für BRENT, ein Vierjahreshoch erreicht, aufgrund gesunkener Produktion in einigen Ländern wie beispielsweise Venezuela. Die US Ölexporte fallen vor dem Beginn der Sanktionen gegen den Iran. Indien hat die Käufe aus den USA verringert und die Käufe aus dem Iran ausgeweitet. Die US Öllieferungen nach Indien sind zum Ende des Monats um 75% auf nur noch 84 Tsd. Fass am Tag gefallen, während es im Juni noch 347 Tsd. Fass waren. Indien war im Juni für 12% der US Ölexporte verantwortlich. Spekulanten waren an dem Anstieg der letzten Monate nicht beteiligt, die seit Jahresanfang auf einen fallenden Rohölpreis gesetzt hatten. Saudi Arabien will in den nächsten Jahren 20 Mrd. US Dollar in noch freie Produktionskapazitäten investieren und so weitere 12 Mio. Fass am Tag fördern. Von Oktober bis November wollen die Saudis die Produktion um 10,7 Mio. Fass am Tag hochfahren, was der hiesige Energieminister am Mittwoch verkündete. Entgegen der OPEC Vereinbarung haben Russland und Saudi Arabien in einem bilateralen Abkommen im September beschlossen die Rohölförderung auszuweiten, um den steigenden Preis abzukühlen, worüber die USA und andere Produzenten informiert worden sein sollen. Russland könnte die Förderung dabei um 200 Tsd. bis 300 Tsd. Fass am Tag ausweiten, sagte Putin vergangenen Mittwoch, um mögliche Engpässe am Rohölmarkt zu kompensieren. Die US Produktion steigt ebenfalls immer weiter an, sodass die Zulieferer für die Fracking Industrie in Texas nicht mehr mit den Lieferungen sowie dem Bau der benötigten Infrastruktur nachkommen.

Abflüsse aus Gold ETFs nehmen ab

In den vergangenen vier Monaten gab es deutliche Abflüsse aus Gold-ETFs. Allein im September kam es zu Abflüssen von 23,7 Tonnen auf 2.329 Tonnen. Steigende US-Zinsen und ein haussierender Aktienmarkt in den USA auf neuen Allzeithochs sorgten für mehr Risikoappetit bei den Investoren. Daher waren es auch die Amerikaner, die in den vergangenen fünf Monaten primär Goldbestände aus den ETFs verkauften. Relativ gering sind die Abflüsse seit Jahresbeginn mit einem Rückgang der Bestände von bisher nur 1,5%. Primär die Amerikaner haben Gold im Wert von 3,1 Mrd. Dollar verkauft, während die Europäer 2 Mrd. Dollar hinzukauften und die Bestände der Asiaten unverändert blieben.

Die ETF Bestände nahmen im Jahr 2018 ab
In den letzten vier Monaten kam es zu Abflüssen aus den ETFs – primär gab es Verkäufe in den USA

TECHNISCHE ANALYSE

Palladium erreicht neues Allzeithoch

Positionierung der spekulativen Anleger (Commitment of Traders)

Die aktuellen, wöchentlich von der US-Terminmarktaufsicht „CFTC“ veröffentlichten, Daten für Palladium notieren weiterhin im überverkauften Bereich, obwohl die Spekulanten bereits begonnen haben wieder auf einen steigenden Preis zu setzen. Während des kompletten Anstiegs der letzten beiden Monate zeigt sich weiterhin relative Stärke, was einen fundamentalen Nachfrageüberhang demonstriert und mittelfristig bullisch ist. Es ist am Terminmarkt noch viel Luft vorhanden, dass die Spekulanten den Preis für Palladium im Zuge einer Erholung am gesamten Edelmetallmarkt auch noch weiter mit nach oben treiben können.

Der Terminmarkt für Palladium ist lange noch nicht ausgereizt
Die einfache Darstellung zeigt, dass sich die Positionierung immer noch im grünen bullischen Bereich befindet

Chartanalyse zu Palladium in US-Dollar

Binnen nur sechs Wochen stieg der Preis für eine Feinunze Palladium in der Spitze auf fast 1.100$ an, was einem Plus von +30% entspricht. Ein neues Allzeithoch lag zuletzt gerade einmal noch 45$ entfernt.

Aktuell legt Palladium eine Pause ein, was nach einem Anstieg von 30% nicht verwundern darf. Diese Verschnaufpause erklärt sich auch durch Palladium in Euro, das sein Allzeithoch wieder erreicht hat und es nun hier zu Gewinnmitnahmen bzw. Verkäufen von Bären kommt, die auf einen Preisrückgang setzen. Insgesamt zeigt sich enorme relative Stärke in den Daten, weshalb wir von einem weiteren Anstieg bis Jahresende ausgehen, bevor eine größere Korrektur einsetzt. Dieser Anstieg dürfte über das Allzeithoch bei Palladium in USD führen. Bis Jahresende sind wir bullisch gestimmt.

Palladium in USD stieg binnen sechs Wochen um +30% an

Chartanalyse zu Palladium in Euro

Aufgrund des schwächeren Euros konnte der Palladiumpreis in Euro gerechnet bereits sein Allzeithoch wieder erreichen. Genau dies hatten wir Anfang August bereits prognostiziert aufgrund der enormen relativen Stärke in diesem Markt. Die Nachfrage ist weiterhin höher als das Angebot und solange dies anhält, wird der Preis weiter ansteigen.

Wir gehen von einem weiterhin schwächeren Euro in den kommenden Monaten aus, weshalb gerade Palladium für uns Europäer interessant ist. 1.000€ je Feinunze scheinen bis Jahrsende im Palladium ein realistisches Preisziel zu sein.

Lediglich langfristig agierenden Investoren raten wir aufgrund des hohen Palladiumpreises eher zu dem relativ sehr günstigen Platin zu greifen, da hier ein den kommenden zehn Jahren eine deutliche Outperformance zu erwarten ist.

Palladium in EUR hat ein neues Allzeithoch erreicht

Lustiges und Memes