Sell Off bei den Edelmetallen - wie geht es weiter?

Zum Wochenbeginn vollzogen die Edelmetalle einen Sell Off, bei dem die letzten Bullen womöglich das Handtuch geworfen haben. Die Daten vom US Terminmarkt der Vorwoche zeigten bereits eine fast gänzliche Bereinigung der bullischen Spekulation am US-Terminmarkt für Gold und Platin, während die Marktteilnehmer noch relativ bullisch für Silber waren. Gold in US-Dollar fiel auf 1.237$ und Platin vollzog den stärksten Sell Off seit vielen Jahren auf 800$ im Tief, während die Terminmarkdaten so gut sind, wie noch nie davor in der Geschichte des Terminmarktes für Platin in den USA. Die 1.240$ im Gold und die 800$ beim Platin bilden mittel- bzw. langfristige Unterstützungen, an denen es nun zu einer kurzfristigen Trendumkehr kommen dürfte.

Gold erlebte einen starken Abverkauf zum Beginn dieser Handelswoche
Silber hielt sich überraschend stark im Vergleich zu den anderen Edelmetallen

Überraschend stark hielt sich der Silberpreis in dieser Woche, der die Unterstützung bei 16 US-Dollar verteidigen konnte, während es zu starken Verkäufen bei Platin und Gold kam. Wie die Daten der größten Händler am Terminmarkt zeigen, könnte die Großbank JP Morgan hierfür verantwortlich gewesen sein. Die Positionierung der größten vier Händler hatte sich in den letzten Wochen erstmals von den Daten der großen acht Händler entkoppelt. Womöglich konnte JP Morgan das aktuell schwache Umfeld für Silber nutzen, um nicht nur alle nackten Shortpositionen zu schließen, sondern auch eine Netto-Longposition aufzubauen. Dies wäre zumindest eine Erklärung für diese historisch einmalige Diskrepanz in den Daten und die relative Stärke des Silberpreises auf dem Niveau von 16$.

JP Morgan hat womöglich alle nackten Shortpositionen geschlossen und womöglich eine Longposition aufgebaut

Nach starken Abverkäufen, wie wir sie zu Beginn der Woche am Edelmetallmarkt erlebten, folgen in der Regel mehrmonatige Anstiege. Die Short-Eindeckungen der Spekulanten mit der raschen Erholung des Preises bei Platin und Gold, könnte diesen Wendepunkt markieren. Womöglich war dies bereits die Trendwende und nun folgt ein Anstieg der Preise über die nächsten Wochen und Monate. Die kurzfristige Trendwende ist nun jedenfalls sehr nah. Die Entwicklung bei den großen Händlern am Terminmarkt könnte auf eine große Trendwende beim Silberpreis hindeuten, was wir in den kommenden Wochen genau weiter beobachten werden.

Scheininflation im Euroraum steigt auf zwei Prozent

Nach ersten Berechnungen sind die Verbraucherpreise in der Eurozone im Juni um 2% zum Vorjahr angestiegen, was den höchsten Wert seit Februar 2017 darstellt. Im Vormonat lag die „Inflation“ noch bei 1,9%. Die Preise für Energie (+8%) und Lebensmittel, Alkohol und Tabak (+2,8%) sind hierbei am stärksten angestiegen. In Deutschland lagen die Verbraucherpreise im Mai zuletzt bei 2,2% zum Vorjahr und damit über dem Durchschnitt der Währungsunion.

Die Preise stiegen im Juni offiziell um 2% im Euroraum
Die Preise in Deutschland stiegen im Mai um 2,2% zum Vormonat

Die Europäische Zentralbank wird bis Jahresende weiterhin 120 Mrd. Euro aus dem Nichts drucken und damit Schulden durch Giralgeld aus dem Nichts gegen frisch gedrucktes und inflationswirksames Zentralbankgeld aufkaufen. Dies führt unweigerlich zur Aushöhlung der Kaufkraft des Euros und zu dessen Abwertung, da eine Kontraktion der aufgeblähten Geldmenge verhindert wird. Deshalb steigen die Preise aller Güter im Vergleich zum Euro langfristig auch immer weiter an, anstatt mit der Produktivität jährlich um mindestens zwei Prozent zu fallen. Selbst nach den offiziellen Statistiken gehen den Deutschen so mindestens 4% bis 5% an Kaufkraft jedes Jahr verloren, die über die Inflationssteuer heimlich vom Staat geraubt werden. Die Edelmetallpreise können in diesem geldsozialistischen Umfeld langfristig einfach nur immer weiter ansteigen.

5% reale Inflation in Europa im Vergleich zu einer konstanten Geldmenge sind bekanntlich nur die halbe, statistisch manipulierte Wahrheit. Beispielsweise stiegen die offiziellen Verbraucherpreise in den USA im Mai um 2,8%, was drei Jahre nach dem Ende der Geldschwemme der US Notenbank und im Umfeld einer restriktiven Geldpolitik mit Reduzierung der Notenbankbilanz (Quantitative Tightening) auf den ersten Blick erstaunt. Auf dem zweiten Blick ist es aufgrund der vorherigen Vervielfachung der Basisgeldmenge in den USA jedoch nicht verwunderlich und eine logische Konsequenz, bis die Geldmenge tatsächlich mal zurückgeführt wurde. (Dies wird im nennenswerten Umfang niemals geschehen.)

Offiziell stiegen die Preise in den USA im Mai um 2,8%

Die alternative Berechnungsweise der Teuerung mit der statistischen Methode von vor 1980 zeigt jedoch eine Teuerung von 10,6% im Juni zum Vorjahr an. Seit 1980 versucht man durch hedonische Anpassungen, geometrische Gewichtungen und Produktsubstitution die Verbraucherpreisindizes künstlich nach unten zu manipulieren, was durch dieses geschickte Jonglieren auch erfolgreich funktioniert und so sich die Öffentlichkeit blenden lässt. Mit der Realität der Kaufkraftentwertung einer Währung und dem Anstieg der Preise in einer Volkswirtschaft hat dies jedoch nichts zu tun, sondern vielmehr mit politischer Schönwetterpropaganda nach orwellschem Vorbild.

Die reale Teuerung in den USA betrug im Mai zuletzt 10,6% nach shadowstats.com

Zwischen der staatlich veröffentlichten, politisch geschönten und der wissenschaftlich exakten Teuerung liegt in den USA also eine Differenz von 7,8%. Da die gleichen Methoden der Indexmanipulation auch in der Eurozone angewandt werden, ist hier mit einer ähnlich hohen Differenz zu rechnen. Deshalb dürfte die reale Teuerung in Europa auch mindestens 9% bis 10% betragen, um die man die Bevölkerung jährlich hinterrücks enteignet. Die Prolongierung des aktuellen Fiat Money Kreditgeldsystems und gar eine Rekapitalisierung des Bankensystems wäre so langfristig möglich. Kurz gesagt, man leitet die Ersparnisse der Bürger heimlich über Inflation an die verschuldeten Banken und den verschuldeten Staat um. So einfach die Zusammenhänge scheinen, so einfach lässt sich die breite Öffentlichkeit, sowie die meisten Ökonomen, von den geschönten offiziellen Statistiken täuschen.

Die Bürger werden jedoch Jahr um Jahr ärmer und man wundert sich über das Siechtum der Gesellschaft, das Verschwinden der Mittelschicht, die Ausweitung der Schere zwischen Arm und Reich, dass man jährlich immer mehr arbeiten muss, um den gleichen Lebensstandard zu haben sowie über die grassierende Altersarmut in Deutschland. Die Antwort für all diese Probleme liegt in diesen manipulativ, geschönten Statistiken und der darin versteckten realen Teuerung, welche die Gesellschaft langsam aber sukzessive verarmen lässt.
Es gibt jedoch einen Schutz, gegen diesen fiesen Raubzug. Edelmetalle, allen voran das Gold und Silber als monetäre Edelmetalle und natürliches Geld des freien Marktes, schützen vor der realen Inflation und gleichen diese langfristig aus. Deshalb sollte jeder, ob Jung oder Alt, am besten so früh wie möglich damit beginnen, für das Alter zu sparen und dieses Geld vor dem Inflationsraub geschützt in Edelmetalle investieren.

TECHNISCHE ANALYSE – Einmaliger Sell Off bei Platin 

Positionierung der spekulativen Anleger (Commitment of Traders)

Die aktuellen, wöchentlich von der US-Terminmarktaufsicht „CFTC“ veröffentlichten, Daten für Platin zeigen eine historisch einmalige Spekulation auf einen fallenden Preis. Bereits bei 900$ war die Spekulation einmalig extrem und zeigte dort relative Stärke. Umso mehr überraschte der plötzliche Abverkauf, nachdem die Unterstützung bei 900$ gebrochen wurde, was auf einen Käuferstreik am physischen Markt zurückzuführen sein dürfte, da der Terminmarkt dieses Potenzial nicht mehr hergab. Sowohl die Amplitude der Veränderung der CoT-Daten, sowie deren absolute Position, sind einmalig in der Geschichte des CoT-Reports. Dass der Preis kurzfristig noch einmal unter 800$ fallen könnte, ist äußerst unwahrscheinlich. Dafür ist ein weiterer Anstieg auf 900$ sehr wahrscheinlich und auch deutlich höhere Preise bis 1.020$ haben eine relativ hohe Chance.

Der Terminmarkt für Platin ist seit Wochen so gut wie noch nie in der Historie
Die einfache Darstellung zeigt, dass sich die Positionierung historisch einmaligen Kaufbereich befindet

Chartanalyse zu Platin in US-Dollar

Nachdem die Unterstützung bei 900$, die die letzten beiden Jahre als signifikante Unterstützung diente, gebrochen wurde, kam es zu einem völligen Ausverkauf am Platinmarkt. Die Schwäche am Gold- und Silbermarkt hatte einen bullischen Ausbruch beim Platin verhindert und den Preis letztlich mit nach unten gezogen.

Kurzfristig ist mit einem weitern Anstieg auf 900$ zu rechnen. Dieser Widerstand dürfte jedoch nicht gleich geknackt werden, sondern nur im Zuge einer gleichzeitigen Erholung am Gold- und Silbermarkt zu nehmen sein.

Die Schwäche, die den Edelmetallmarkt in diesem Jahr erfasste, ist sehr außergewöhnlich und die aktuelle Preisentwicklung sprengt die zyklischen Muster. Ob es sich hier um einen Sell Off im gesamten Edelmetallmarkt vor dem Beginn eines neuen Bullenmarkt handelt oder einfach nur um die ersten Anzeichen einer bevorstehenden Rezession, bleibt abzuwarten.
Kurzfristig sind wir jetzt bullisch für Platin und erwarten einen Test des Widerstands bei 900$ in den nächsten vier Handelswochen.

Kurzfristig ist die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Preisrückgangs extrem unwahrscheinlich und das Chance/Risiko Verhältnis für einen nun wieder steigenden Preis über die kommenden zwei bis drei Monate hinweg sehr hoch.

Platin erlebte einen einmalig starken Ausverkauf auf 800$

Chartanalyse zu Platin in Euro

In Euro konnte der Platinpreis nicht den Abwärtstrend und die 200-Tagelinie überwinden, weshalb die Bären nochmals am Terminmarkt auf einen fallenden Preis wetteten. Bis auf 700 Euro je Feinunze konnten diese den Preis drücken, bevor es zu Short-Eindeckungen kam.
Charttechnisch ist nun ein Pull Back auf 750 Euro zu erwarten. Platin müsste dann den Abwärtstrend und die 200-Tagelinie überwinden, um ein prozyklisches mittelfristiges Kaufsignal zu generieren.
Aufgrund der unvermindert lockeren Geldpolitik seitens der Europäischen Zentralbank sehen wir hierfür gute Chancen in den kommenden Wochen. Sobald Platin der Sprung über die bevorstehenden drei Widerstände gelang, wird der Chart sehr bullisch und weitere Anstiege sind zu erwarten. Insbesondere für physische Investoren im Euroraum, scheint dies aktuell ein taktisch ideales Preisniveau für physische Käufe in Form von Münzen zu sein.

In Euro fiel der Platinpreis auf 700€ je Feinunze